Samstag, 28. Juni 2025

Kapitel 1. 5 (7)

„Ja, Beinta“, sagte er, „ich habe einen Brief und Geld bekommen. Der Herr belohne Kristjan, er vergißt seinen Vater nicht! Und nun trägt er königliche Kleider. Oh, ich verstehe so gut die Freude des alten Jakob, als er erfuhr, daß Josef über ganz Ägypten herrschte!“
Beinta stand da und schluckte. Etwas Warmes stieg in ihr auf – und sie spürte, daß ihr die Augen feucht wurden. „Du kannst doch gar nicht lesen. Wer hat dir den Brief vorgelesen?“ fragte sie.
„Der Kaufmann war so nett, ihn mir vorzulesen“, antwortete Óli, „und der Herr möge ihn dafür belohnen! Er hat meine Seele sehr erfreut!“

Freitag, 27. Juni 2025

Kapitel 1. 5 (6)

Sobald der Tisch abgedeckt war, ging sie unauffällig hinaus. Als sie ging, dachte sie, daß die Pfarrer zweifellos soviel Gelehrtes zu reden hatten, daß sie sie nicht vermissen würden. Als sie gegangen war, sagte Herr Klæmint leise zu Herrn Jónas, daß er an dieser Frau wohl kaum Freude haben würde.
Beinta machte sich auf den Weg nach Reyn hinaus, sie wußte, daß Óli hier draußen sein mußte, und nun wollte sie ihn finden – nun wollte sie wissen, von wem der Brief war, den Óli bekommen hatte. Sie ging schnell, so daß die Leute, die ihr begegneten, sich fragten, wohin sie wollte. Ganz Havn wußte ja, daß das Festbier zu Hause in Køk bei der skrivari-Witwe getrunken wurde, und fand es seltsam, daß die junge Braut so schnell und plötzlich von ihrem Bräutigam weglief. Als sie zum Gefängnis kam, kam ihr Óli entgegen. Sie hielt ihn an.
„Ist es wahr, daß du einen Brief von Kristjan bekommen hast?“ fragte sie. Das sagte sie, um überhaupt etwas zu sagen, denn sie sah Óli an, daß er gute Nachrichten bekommen hatte, er ging so schnell und zuversichtlich, als wäre er zwanzig Jahre jünger.

Sonntag, 22. Juni 2025

Kapitel 1. 5 (5)

Beinta saß neben Herrn Jónas, sie saß da und starrte ins Leere, antwortete kaum, wenn sie angesprochen wurde. Sie hatte Gerede gehört, daß der Soldat Óli einen Brief von der „Christian Qvintus“ bekommen hatte, und manchmal dachte sie, der müßte von Kristján sein. All ihre Gedanken waren bei ihm, sie erinnerte sich an alles, was sie zusammen gemacht hatten und was nie jemand erfahren sollte. Sie achtete nicht darauf, daß Herr Klæmint aufstand und eine Rede für das frischvermählte Paar hielt – sie erwachte wie aus einem Traum, als Herr Jónas ihm dankte. Oh, Herrgott, daß Geistliche nie einfach schweigen konnten – immer mußten sie reden – und immer brauchten sie so lange, daß man ihnen beinahe Almosen versprechen wollte, um sie zum Schweigen zu bringen.

Kapitel 1. 6 (2)

Der løgmaður und der Vogt kamen Seite an Seite hinunter in den Parlamentssaal – etwas später kamen die løgrættumenn – und die Pfarrer; die ...