Sonntag, 30. März 2025

Kapitel 1. 2 (6)

„Aber ich will raus aus dem Land“, sagte Kristjan.
Es funkelte in den Augen des alten Óli. „Du sagst etwas“, sagte er, „das könnte gelingen, wenn ein gewisses Schiff im Fjord wäre.“
„Das ist schon längst gekommen“, sagte Kristjan, „hier liegt ein Schiff vor Høgoy. Heute nacht könnt Ihr mich dorthin rudern, dann gehe ich an Bord, aber wir müssen heimlich vorgehen.“
Kristjan verschwand so schnell, wie er gekommen war. Er wollte nach Kák, um die Alte zu fragen, welches Schicksal sie für ihn voraussah.

Freitag, 28. März 2025

Kapitel 1. 2 (5)

Dann sagte er: „Weint nicht, Vater. Ich sage Euch eins, das hat die Frau des skrivari eingefädelt, weil sie glaubt, daß wir beide in Beinta verliebt sind – aber ich will noch weiter weg als nach Viðareiði, und Ihr sollt mir helfen, Vater.“
„Ich dir helfen, du Armer“, sagte Óli, „wie soll ich dir helfen. Das Gesetz ist mächtig und gilt im ganzen Land.“

Kapitel 1. 2 (4)

Als der skrivari fragte, was er selbst davon hielt, den Jungen nach Norden nach Viðareiði gehen zu lassen, antwortete er nur, daß er sich auf keinen Fall gegen das Gesetz auflehnen wolle. Das einzige, was er tun konnte, war, Gott zu bitten, seinen Sohn auf lichten Pfaden wandeln zu lassen.
„Ja, ja, dieser Tage erwarten wir die Christian Quintus – und dann sind die viðingar (wahrscheinlich die Bewohner der Insel Viðoy, auf der Viðareiði liegt. Anm. d. Ü.) schnell da“, sagte der skrivari, „also machst du den Jungen am besten schnell reisefertig.“ Dann stand er auf und sagte Lebewohl.
Óli blieb noch eine ganze Weile sitzen – die Falten auf seiner Stirn wurden tiefer und tiefer. Er hatte sich so Großartiges für Kristjan vorgestellt – hatte gedacht, daß er vielleicht eines Tages Kleider wie ein König tragen und auf Skansin herrschen würde. Nun wurde nichts daraus. Kristjan würde ein Diener werden, wie soviele seinesgleichen. „Gott im Himmel, die Welt ist schlecht – und die Menschen machen sie noch schlimmer“, seufzte er. Kristjan kam zur Tür herein. „Was wollte der skrivari“, fragte er.
„Du wirst weggeschickt“, sagte Óli und sah seinen Sohn schwermütig an. „Du sollst nach Viðareiði.“ Als er das gesagt hatte, konnte er sich nicht mehr beherrschen, er schlug die Hände vors Gesicht und weinte bitterlich.
Kristjan stand einen Moment wie versteinert da.

Donnerstag, 27. März 2025

Kapitel 1. 2 (3)

Er hatte sich gewünscht, daß Kristjan auf ein Handelsschiff ging, denn der Junge war intelligent und würde sicher allein zurechtkommen, wenn er nur von den Färöern wegkam, aber daran war nun nicht mehr zu denken, der „Große“ hatte gesprochen, und sie mußten gehorchen.

Kapitel 1. 2 (2)

„Du brauchst den Jungen nicht“, sagte er. „Der Junge soll aus dem Haus – Pfarrer Jónas auf Viðareiði will einen Diener haben, und mir scheint, daß Kristjan gut auf einen Pfarrhof passen würde – du hast sicher nichts dagegen, du weißt ja, was das Gesetz in solchen Fällen sagt.“
Óli saß gebeugt da, er antwortete nicht, denn es gab nichts zu antworten, er war arm, hatte das Haus voller Kinder und nichts, was er ihnen zu essen geben konnte.

Kapitel 1. 2 (1)

Der sorinskrivari Peder Broberg saß drinnen í kroysuni (?) bei dem Soldaten Óli und sprach mit ihm über seinen Sohn Kristjan, der bald vierzehn Jahre alt werden würde.

Kapitel 1. 1 (13)

Beinta erbleichte. „Ich zittere“, sagte sie.
„Die Kraft ist über mir – die siegreiche Kraft“, sagte Kristjan. „Nun werde ich den Elf bitten, zu kommen.“
„Nein, nein“, rief sie.
Doch Kristjan stand auf und ging zum Felsen.
„Hör mich an, Grauer
mit dem blauen Umhang!
Den Gürtel und die Spange –
gib sie ihr!“
Er nahm einen kleinen Stein und warf ihn an die Felswand.
Doch jetzt nahm Beinta die Beine in die Hand, sie stürzte aus der Höhle und rannte, so schnell sie konnte, den Abhang hinunter. Er lief ihr nach, konnte sie jedoch nicht einholen. Als sie zum Flußdelta (ósanum) kam, blieb sie stehen. Sie war ganz außer sich vor Angst. Schweißgebadet kam sie herein zu ihrer Mama – und wollte nicht sagen, wo sie gewesen war.
Ein paar Augenblicke später lag sie im Bett und schluchzte – sie hatte die Peitsche zu spüren bekommen.

Kapitel 1. 1. (12)

„Ich binde dich ans Wasser,
ich binde dich ans Feuer,
ich binde dich an den Sturm
und an die verwüstende Gewalt.
Christus war stark,
Als er den Teufel überwand.“

Kapitel 1. 1. (11)

Er strich ihr eymdilega (?) über die Wange. „Beinta, ich war schon oft bei der Alten auf Kák – und was sie mich gelehrt hat, ist nicht sørt (?)“, sagte er. „Nun sollst du es hören:

Mittwoch, 26. März 2025

Kapitel 1. 1. (10)

„Die sieht sicher das eine oder andere – sie kennt sich mit Hexerei aus“, sagte Beinta. „Und sie sollte verbrannt werden.“
„Aber ich kenne mich nicht mit Hexerei aus“, sagte Kristjan, „und ich habe ihn auch gesehen.“
Beinta zitterte. „Du machst mir Angst“, sagte sie. „Wie sah er aus?“
„Grau – grau wie Asche“, sagte Kristjan. „Er ging die Böschung hinunter – und verschwand in der Höhle. Ich habe ihn beobachtet.“
Beinta setzte sich einen Moment hin und schwieg, dann sagte sie: „Laß uns nach Hause gehen, ich mag nicht mehr.“
„Nein, nach Hause gehen wir nicht“, sagte Kristjan, „wir wollen hier sitzen, bis der Elf kommt, dann kannst du selbst sehen, wie schön er ist. Ich werde ihn bitten, dir einen blauen stakk (?) und einen viðan gullsprota (?) zu geben – ich werde ihn bitten, dich zu schmücken, damit du schöner wirst als die Königin von Dänemark.“
Beinta fing an zu weinen. „Kristjan“, sagte sie, „nun habe ich wirklich Angst.“
Er packte sie an beiden Händen. „Du brauchst keine Angst zu haben, wenn ich bei dir bin“, sagte er.
„Du kannst mir auch nicht helfen gegen die Bösen“, schluchzte sie.

Sonntag, 23. März 2025

Kapitel 1. 1 (9)

Sie liefen beide den Abhang hinunter – und kletterten zu der Höhle, die ein kleiner Flecken zwischen den Felsen war – hier setzten sie sich Hand in Hand hin.
Kristjan zeigte auf den größten Felsen. „Da wohnt der Elf“, sagte er. „Die Alte auf Kák kam dort eines Abends spät vorbei – da sah sie unter dem Felsen ein Feuer brennen.“

Kapitel 1. 6 (2)

Der løgmaður und der Vogt kamen Seite an Seite hinunter in den Parlamentssaal – etwas später kamen die løgrættumenn – und die Pfarrer; die ...