Sonntag, 19. April 2026

Kapitel 1. 6 (2)

Der løgmaður und der Vogt kamen Seite an Seite hinunter in den Parlamentssaal – etwas später kamen die løgrættumenn – und die Pfarrer; die løgrættumenn tragen alle schwarze Stehkragen um den Hals, die Pfarrer tragen ihre gewöhnliche Tracht.
Die løgrættumenn schweigen, aber man sieht ihnen doch an, daß sie etwas bedrückt, etwas bereitet ihnen Kopfschmerzen und Seelenpein. Die Pfarrer hingegen sind sehr gesprächig – und das, worüber sie sprechen, ist das Regelwerk (reglugerðin), mit dem sie sich nicht abfinden (ganga undir) wollen; denn wie sollen sie leben können, tá ið meira skal latast fyri handilsvøru og minni fáast fyri hosur og pør. Einer von ihnen – und das ist Herr Jónas – sagt, daß es nicht besser werden wird, bevor die Färingar selbst über den Handel bestimmen – und über die Beziehungen überhaupt. Aber Herr Klæmint unterbricht ihn und fordert ihn auf, nicht so harte Worte zu gebrauchen; er sagt ihm, er solle daran denken, wo er sich befand – und daran denken, daß die Macht des Königs sehr weit reiche, weiter, als er glaube. Darauf antwortet Herr Jónas giftig, daß er zwar ein Beamter des Königs sei, aber kein Sklave des Königs – und er fährt fort und wird immer wütender, aber Herr Klæmint widerspricht nicht – denn er ist ein vorsichtiger Mann – und nun weiß er auch, daß Herr Jónas hevur smakkað sær á – darüber ist nun nichts zu sagen, denn heute ist der Pfarrer von Viðareiði Bräutigam, heute wird er Beinta heiraten, die schöne Beinta mit den kalten Augen, die er, Herr Klæmint, gern auf seinem Pfarrhof gehabt hätte, denn soviel wagt er zu sagen, daß sie einen Mann glücklich machen kann.

Samstag, 21. März 2026

Kapitel 1. 6 (1)

Es ist der Ólavsøka-Morgen. Das Wetter ist gut, die Sonne scheint überall, und die Kirchenglocken läuten so schön.

Freitag, 20. März 2026

Kapitel 1. 5 (12)

„Mehr steht nicht drin“, sagte sie. Sie beugte sich über den Tisch und weinte. Ja, alles würde so werden, wie sie es sich gedacht hatte. Aber es war etwas anderes, als in Seide gekleidet an Kristjáns Seite zu gehen. Sie würde Pfarrersgattin auf Viðareiði werden, und Mama war daran schuld.
Sie trocknete sich die Tränen. „Óli“, sagte sie, „wenn du jetzt an Kristján schreiben willst, werde ich es für dich tun.“
Óli reichte ihr die Hand. „Danke“, sagte er.
Beinta ging nach Hause nach Køk . Mama ging in der Küche auf und ab und schimpfte, sie fragte Beinta in scharfem Ton, wo sie so lange gewesen sei – hier in der Stube saß ihr Verlobter mit dem Pfarrer von Sandoy und anderen guten Männern und wartete auf sie.
„Ich will nicht zu ihnen hinein“, sagte Beinta. „Ich gehe nach oben und ins Bett.“
Oben in ihrer kleinen Dachkammer überkam das Weinen sie wieder. Sie vergrub den Kopf im Kissen. „O Gott, o Gott“, schluchzte sie, „mein Leben ist zerstört – öde und finster, aber wo Kristján ist, scheint die Sonne immer.“

Samstag, 14. März 2026

Kapitel 1. 5 (11)

Beinta fing an zu lesen, ihre Stimme zitterte vor unterdrücktem Weinen. Sie las von Kristján, er war in den Niederlanden gewesen, so weit gefahren, war in furchtbare Kämpfe verwickelt gewesen, bei denen keiner der Unterlegenen am Leben geblieben war. Jetzt war er Soldat im Dienste des Königs von Dänemark.
Óli saß da und nickte, er erinnerte sich an den Tag, an dem der skrivari bei ihm in der Hütte gewesen war und Kristján nach Norden, nach Viðareiði, hatte schicken wollen. „Ich dachte, es würde für ihn übel ausgehen, doch der Herr hat es zum Guten gewendet“, murmelte er vor sich hin.
Der Brief endete so: „Lieber Vater, grüßt Beinta von mir, ich denke morgens und abends an sie und bete zu Gott, daß lichte Wege vor ihr liegen mögen.“
Beinta reichte Óli den Brief.

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Kapitel 1. 5 (10)

Es war dämmrig in der Wachstube, und die Sonne schien hell durch ein kleines Fenster, das so weit oben war, daß der Mann, wenn er hinausschauen wollte, auf die Bank steigen mußte, die darunter stand. Ein kleiner rotgestrichener Tisch stand vor der Bank – und vor der Bank ein alter Hocker – das war die ganze Einrichtung.
Beinta setzte sich auf den Hocker – Óli auf die Bank – und er reichte ihr den Brief.
Sie sah das Schriftstück lange an, bevor sie anfing zu lesen.
Óli saß da und wartete – er war gewohnt, zu warten – dann konnte er es auch in dieser Sache tun – denn er kannte den Brief auswendig …

Kapitel 1. 5 (9)

„Nein, das wäre nicht gut“, sagte Óli, „aber wir können ja in die Wachstube gehen, da ist niemand.“

Dienstag, 14. Oktober 2025

Kapitel 1. 5 (8)

„Laß mich dir die gleiche Freude machen“, Beinta sah ihn bittend an. „Laß mich dir den Brief vorlesen.“
Óli spürte, wie ihm die Augen feucht wurden. „Gott segne dich“, sagte er nur.
Beinta fuhr fort: „Aber hier kann ich nicht stehen und lesen“, sagte sie.

Kapitel 1. 6 (2)

Der løgmaður und der Vogt kamen Seite an Seite hinunter in den Parlamentssaal – etwas später kamen die løgrættumenn – und die Pfarrer; die ...