Sonntag, 27. April 2025

Kapitel 1. 3 (4)

Das Wasser war niedrig, und die Gezeiten hatten eine Sandbank geschaffen, die beinahe bis zum anderen Ufer reichte. Alte Leute sagten, das bedeute grindaboð. Sie ging auf die Sandbank und lief hinüber, dann schlug sie den Weg nach Kák ein. Vor dem Bootshaus stand Jògvan Mikkjalsson; er wurde von den Seeleuten nicht gern gesehen. Er rief ihr nach, daß die alte Anna heute abend krank sei und man sich ihr nicht nähern sollte.
Die alte Anna saß im Dunkeln – die Glut in der Asche leuchtete matt in der kleinen Räucherstube. Sie fuhr zusammen, als die Tür aufging.
„Wer in Gottes Namen ist das, der da so spät kommt?“ fragte sie.
„Es ist Beinta, die Tochter des skrivari.“
„Was willst du?“
„Mit Euch reden.“
„Du bist heute dem Trauerzug deines Vaters gefolgt – der Pfarrer kann dich in deiner Trauer besser trösten als ich.“
„Ich trauere nicht“, sagte Beinta kalt.
Die alte Anna schwieg eine Weile, dann sagte sie: „Das verstehe ich gut. Dein Vater war nicht dein Vater.“
„Das kann gut sein“, sagte Beinta, „ich habe nicht an diese Frage gedacht.“
„Setz dich“, sagte die alte Anna. Sie stand auf und stocherte in der Kohle.
Beinta setzte sich.

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Kapitel 1. 6 (2)

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