Sonntag, 4. Mai 2025

Kapitel 1. 4 (2)

Der Verwalter in Norðradalur zeigte Jógvan wegen Schafdiebstahls an und erklärte sich bereit, seine Aussage zu beeiden. Und nun meldeten sich auch einige andere, die sich über dies und jenes zu beklagen hatten. Jógvan stritt alles ab. Man brachte ihn nach Spískastein, aber es half alles nichts. Es endete damit, daß man ihn dazu verurteilte, ausgepeitscht und dann nach Bremerholm geschickt zu werden.
An dem Tag, an dem Jógvan ausgepeitscht wurde, waren alle Bewohner von Havn dabei und sahen zu. Die Schläge hagelten auf seinen nackten Rücken, bis die Haut schließlich in Streifen hing, doch er gab nicht nach, sondern ließ die Schläge stoisch über sich ergehen.
Beinta stand ganz vorn – und sie freute sich bei jedem Schlag. O Gott, wie sehr sie ihm das gönnte – doch es gab einiges, das ihr das Gefühl gab, daß die Schläge gegen sie gerichtet waren – und das wollte sie nicht.
Etwas später bekam Anna ihr Urteil. Ihr konnte man keinen Diebstahl nachweisen, aber sie hatte falsches Zeugnis wider ihren Nächsten abgelegt. Außerdem war sie ein Schandmaul, so daß niemand Ruhe vor ihr hatte. Sie wurde dazu verurteilt, zwölf Eimer kalten Wassers über den nackten Körper geschüttet zu bekommen, damit sie lernte, ihre Zunge zu zügeln und ihre Nachbarn nicht mehr in Verruf zu bringen. Die alte Anna lachte höhnisch, als das Urteil verkündet wurde.

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