Samstag, 10. Mai 2025

Kapitel 1. 4 (3)

Sie trat auf, als wäre das Urteil derer, die sie angeklagt hatten, so unwichtig, daß es überhaupt keine Rolle spielte.
Der Tag, an dem die alte Anna mit kaltem Wasser überschüttet wurde, war ovfarakæti (???) für Beinta. Sie stand ganz vorn unter den Zuschauern und freute sich darauf, das Jammern zu hören, doch es war nichts zu hören. Die alte Anna stand schweigend da und nahm ihre Strafe hin. Ab und zu huschte ein spöttisches Lächeln über ihr Gesicht – und als es vorüber war, sagte sie, daß jemand dafür büßen würde. Sie sah Beinta kalt an, als sie das sagte, aber Beinta ließ sich nichts anmerken.
Anna ging wieder nach Hause nach Kák, aber Jógvan saß noch im Gefängnis …
Eines Nachts war Jógvan ausgebrochen. Er hatte sich aus den Fesseln gewunden und den Soldaten Óli gefesselt, der in dieser Nacht im Gefängnis Wache hielt. Ein großes Boot mit Mast und Segel war verschwunden, etwas Essen aus dem Laden des Krämers – und alles Silberzeug der Witwe des skrivari.
Aus alldem schlossen die Leute, daß Jógvan Helfer gehabt hatte – aber wer waren sie?
Óli gab in seiner Aussage zu Protokoll, daß es noch nicht 12 Uhr gewesen sei, als Jógvan ihn gefesselt und auf den Boden gelegt hatte. Wie er es geschafft hatte, die Fesseln loszuwerden, konnte Óli nicht wissen, denn wie er sagte: „Wenn ich einen Verdacht gehabt hätte, säße Jógvan noch hinter Schloß und Riegel.“
Man suchte nicht nach Jógvan. Er war von Norden aus bei frischer Brise losgefahren, also konnte man davon ausgehen, daß er entweder ums Leben gekommen oder in ein Land gelangt war, das der Arm des Königs nicht erreichte.
Die Witwe des skrivari trauerte um all ihre Kostbarkeiten, die sie verloren hatte. Aber die alte Anna auf Kák sagte, das sei kein Grund zum Trauern. Jógvan hatte einst sowohl das Silber als auch sie gehabt, warum sollte er nicht den skrivari beerben?

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Kapitel 1. 6 (2)

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